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Seitenabruf: 07.09.2008 18:48:18
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Grundsätzlich handelt es sich beim Schwindel um eine sehr bewußt empfundene Störung der Raumorientierung. Sie äußert sich in der Regel darin, dass das erwartete Bild der Umwelt nicht mehr mit dem von den Sinnesorganen gemeldeten Bild übereinstimmt.
Als Symptome kommen konkrete Beschwerden wie Drehschwindel, Schwankschwindel, Liftschwindel oder eher unkronkrete und unbestimmte Gefühle wie Gangunsicherheit, Taumeligkeit, Benommenheit oder das Gefühl von "Schwarz werden vor Augen" in Frage.
Die bewusste Orientierung im Raum kommt durch das Zusammenspiel von Sinnesreizen der Augen und dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr zustande. Die mangelhafte Funktion bereits einer dieser Sinne führt zu Problemen der räumlichen Orientierung, so dass Schwindel heute als Ausdruck eines Konfliktes beider Systeme verstanden wird.
Um zu verstehen, wie Schwindel entsteht, kann der Höhenschwindel als Beispiel herangezogen werden: Im Innenohr besitzt der Mensch Schwere-Rezeptoren, die sog. "Otolithen". Durch Einwirken der normalen Schwerkraft werden sie zum Erdmittelpunkt ausgerichtet. Die entgegengesetzte Richtung wird als "oben" interpretiert.
Ein zweiter Teil des Gleichgewichtssystems ist die optische Orientierung. Normalerweise steht der Mensch auf der Erdoberfläche und interpretiert diese Ebene als horizontal. Daran richtet er sich rechtwinklig auf. In diesem Fall stehen die optische Orientierung und die Meldungen des Innenohres im Einklang.
Steht ein Mensch nun am Rande eines Abgrundes oder an der Kante eines Hochhauses, meldet der Innenohr-Anteil bei geschlossenen Augen korrekt "oben" und "unten". Beim Öffnen der Augen tritt der Reflex des Aufrichtens in Kraft, der den Körper senkrecht zur größten vor ihm sichtbaren Fläche (Hier: Hochhauswand oder der Abgrund!) aufrichten will. So entsteht der Eindruck, daß eine Art "unsichtbare Hand" den Körper in den Abgrund ziehen möchte.
Da dies aber einen Absturz bedeuten würde, wird dieser Informationskonflikt anders gelöst. Es greift nun ein inneres Alarmsignal, genannt das Schwindel- oder "Vertigo-Syndrom". Neben Schwindelgefühlen wird in der Regel auch übelkeit, die bis zum Erbrechen gehen kann, ausgelöst. Schließt man die Augen wieder, geht dieses Gefühl vorbei und die Meldungen von oben und unten sind wieder korrekt.
Ähnlich funktioniert auch die Erklärung für Reisekrankheit: Während der Innenohr-Anteil des Gleichgewichtssystems z.B. eine Schaukelbewegung meldet, kann der optische Anteil nur einen Stillstand wahrnehmen (im Verhältnis Passagier/Schiff, da das Schiff mitschaukelt). Hier entsteht der typische Informationskonflikt, der dann in die bekannte Alarmreaktion mit Schwindel, Übelkeit, Erbrechen etc. mündet.
Schwindelbeschwerden gehören nach einer Umfrage des deutschen Ärzteblattes zu den häufigsten Symptomnennungen einer allgemeinärztlichen Praxis. Da die Ursachen für Schwindelgefühle die verschiedensten Ursachen (von niedrigem Blutdruck über eine leichte Gehirnerschütterung bis hin zu Regulationsstörungen) haben kann, ist eine therapeutische Abklärung der Ursache bei Schwindelbeschwerden unbedingt notwendig, um organische Veränderungen auszuschließen.