Die Pascoe-Studie
Naturmedizin in Deutschland - eine von Patienten gewünschte Behandlungsmethode, ein von Ärzten und Universitäten vernachlässigtes Randgebiet?
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Wie steht die Bevölkerung in Deutschland zur Naturheilkunde?
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Situation an deutschen Hochschulen
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Pascoe-Studie 2002
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Naturmedizinische Ausbildung der Ärzte
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WHO-Strategie für Traditionelle Medizin 2002-2005
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Expertenkreis Naturmedizin
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Literatur
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Pressekontakt:
"Die Naturheilkunde zieht ein breites Spektrum an Reaktionen auf sich, von unkritischen Enthusiasten bis hin zu uninformierten Skeptikern", wie Dr. Yasuhiro Suzuki, WHO-Direktor erläutert. Eindrucksvoller kann nicht ausgedrückt werden, wie vielfältig und gegensätzlich die Reaktionen und Einstellungen zur Naturmedizin sind.
Was ist Naturmedizin, Naturheilkunde, Alternative Medizin, Komplementäre Medizin oder international "Traditional Medicine"? Die Erklärungen hierzu sind ebenso vielfältig und unterschiedlich, wie die eingangs beschriebenen Reaktionen darauf. Definitionsgemäß ist die Naturheilkunde die "Lehre der Krankheitsbehandlung, die auf die Steigerung der dem Menschen innewohnenden Naturheilkräfte, auf seine Selbstheilungskräfte hinzielt." (Kleiner Brockhaus)
Definition Naturheilkunde:
Die "Lehre der Krankheitsbehandlung, die auf die Steigerung der dem Menschen inne-wohnenden Naturheilkräfte, auf seine Selbstheilungskräfte hinzielt. Diese werden unterstützt, indem die Naturheilkunde den natürlichen Heilungsverlauf mit naturgemäßen Mitteln unterstützt und krankheitsfördernde Faktoren ausschaltet".
Quelle: Kleiner Brockhaus
Nach Angaben der WHO verlassen sich heute immer mehr Patienten auf Methoden der Alternativen Medizin, und zwar nicht nur in der Prävention sondern auch in der Behandlung von Krankheiten oder bei der Linderung von Beschwerden.
Laut WHO haben in Frankreich schon drei Viertel der Bevölkerung mindestens einmal Therapien oder Mittel der komplementären Medizin genutzt und in Deutschland bietet mittlerweile ein genauso hoher Anteil der Schmerzkliniken Akupunktur als Therapiemöglichkeit an.
Die Naturmedizin hat gerade in Deutschland eine lange Tradition und eine zunehmende Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen zeigt, statistisch signifikant, positive Wirkungen auf. Auch die Schulmedizin bedient sich heute zunehmend dieser Wirkungen und nutzt die heilende Kraft der Pflanzen, deren Inhaltsstoffe oder Abkömmlinge daraus, als Bestandteil vieler Arzneimittel.
Zur Naturmedizin gehören Therapien, die auf Erfahrungen am Menschen beruhen, den Menschen in seiner Gesamtheit betrachten, ihn individuell behandeln und seine Eigenverantwortung für eine gesunde Lebensweise fördern. Genau diesen positiven Ansatz gilt es wissenschaftlich zu prüfen und damit zu fördern.
Wie steht die Bevölkerung in Deutschland zur Naturheilkunde?
Die Patienten hierzulande wünschen sich, dass immer mehr Naturheilverfahren in die schulmedizinische Therapie mit einbezogen werden. Die Einstellung der Deutschen zur Naturmedizin wird von unterschiedlichen Studien sehr eindrucksvoll aufgezeigt.
Die Erkenntnisse der Allensbacher Trendstudie "Naturheilmittel 2002" zeigen deutlich, welch wachsender Beliebtheit sich die Naturmedizin erfreut. Heute verwenden über zwei Drittel aller Bundesbürger Naturheilmittel und die Tendenz ist steigend.
Die Ergebnisse zeigen auch, dass der Arztbesuch bei Befindlichkeitsstörungen und leichteren Erkrankungen seltener wird. Immer mehr Menschen entscheiden sich eigenverantwortlich für die Verwendung von Naturheilmitteln, auch wenn dabei der eigene Geldbeutel stärker belastet wird. Ein deutlicher Hinweis für die Überzeugung der Patienten von der positiven Wirkung der Naturmedizin würden sie sonst Geld dafür ausgeben?
Dessen ungeachtet sind laut Allensbacher Studie mehr als drei Viertel der gesetzlich Krankenversicherten Anwender von Naturheilmitteln und der Ansicht, Naturheilmittel sollten den so genannten chemisch-synthetischen Arzneimitteln gleichgestellt werden.
Wenn Naturmedizin nützt - und über eine positive Wirkungsweise können fast alle Anwender berichten warum soll sie dann nicht von Ärzten verordnet und von Krankenkassen bezahlt werden? Immer mehr Menschen möchten die Therapiefreiheit des Arztes stärken; sie fordern die Wahl wirksamer Medikamente dem Arzt zu überlassen, nicht dem Staat oder den Krankenkassen.
Laut Trendstudie sind zwei von drei Befragten der Ansicht: "Wenn viele Ärzte und Millionen von Patienten aufgrund ihrer Erfahrung meinen, dass Naturheilmittel nützen, dann müssen sie auch verordnet werden können."
Aus Allensbacher Trendstudie 2002
Doch stehen für die gewünschten Therapien im Bereich Naturmedizin überhaupt adäquat ausgebildete Ärzte zur Verfügung?
Leider steht der Wunsch der Patienten in Gegensatz zur Ausbildung unserer Ärzte an deutschen Hochschulen.
Situation an deutschen Hochschulen
Eine Umfrage unter Medizinstudenten der Universität Düsseldorf ergab, dass sich nur ein kleiner Teil der Studenten, genau 11,4 %, unter dem Begriff Phytotherapie etwas vorstellen konnte. Demzufolge verschwindend gering war das Ausbildungsinteresse in diesem Bereich: Es beschränkte sich auf 2,1% der Befragten.
Eine Untersuchung an der Abteilung Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover im Jahr 1995 zeigte, dass der Stand der Lehre im Fach Naturheilverfahren/Homöopathie in Deutschland unzureichend ist. Von 35 angeschriebenen Fachschaften der medizinischen Fakultäten/Fachbereiche antworteten nur gut drei Viertel. Davon kamen wiederum nur zwei Drittel der Fakultäten ihrer Lehrverpflichtung für Naturheilverfahren/Homöopathie nach. Prüfungen waren nirgends vorgesehen, was die Qualität und Vergleichbarkeit der Ausbildung der Ärzte in diesem Bereich nicht wirklich Vertrauen erweckend erscheinen ließ.
Pascoe-Studie 2002
In der Pascoe-Studie 2002 wurde das Lehrangebot im Bereich Naturmedizin an 36 medizinischen Hochschulen in Deutschland genauer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse dieser Studie decken sich nicht mit dem Wunsch der Patienten.
...Die Ausbildung der Ärzte im Bereich Naturmedizin an deutschen Hochschulen ist inhomogen, insgesamt unzureichend oder gar nicht vorhanden.
Von 36 befragten medizinischen Fakultäten/Fachbereichen verfügten nur zwei über einen Lehrstuhl/ Professur für Naturheilkunde. Bei den verbleibenden 34 konnten 22 Fakultäten Veranstaltungen in diesem Bereich aufweisen.
Auch die WHO ist in ihrer "Traditional Medicine Strategy 2002 - 2005" zu dem gleichen Ergebnis gekommen: Die offizielle Ausbildung an Universitäten in den Bereichen traditioneller Medizin und Alternativer Medizin für Ärzte wird im Ländervergleich für Deutschland eindeutig als nicht vorhanden angegeben.
Weder Inhalte noch Umfang dieser Veranstaltungen waren miteinander vergleichbar.
Die Ausbildung der deutschen Ärzte im Bereich Naturheilkunde ist also nicht nur als unbefriedigend, sondern auch noch als sehr unterschiedlich von Universität zu Universität anzusehen.
Nur ein Drittel der befragten Universitäten sahen den Stellenwert der Naturmedizin im Rahmen der ärztlichen Ausbildung als ausreichend an.
Eine Veränderung ist hier auch oder gerade im Hinblick auf die Wünsche der Patienten gefragt. Die Kommentare der Verantwortlichen an den medizinischen Fakultäten spiegeln dies wider:
- "...Situation der Naturheilverfahren an medizinischen Fakultäten ist verbesserungswürdig",
- "...Naturheilverfahren sollte an jeder Universität gelehrt werden",
- "...Naturheilverfahren darf kein Randgebiet bleiben",
- "...Naturheilkunde sollte ein gleichberechtigtes Fach in der Medizin sein",
- "...Forderung nach der Einrichtung von eigenen Lehrstühlen an jeder Universität",
Diese Einschätzungen spiegeln die Unzufriedenheit der Medizinischen Fakultäten mit ihrer eigenen Situation wider. Die Aussage, "die wissenschaftliche Forschung und Lehre sollte auf den Bedarf der Patienten reagieren", ist nicht von der Hand zu weisen, hat mit der Realität aber leider, wie die Studienergebnisse zeigen, nicht viel zu tun.
"Der Stellenwert der naturheilkundlichen Forschung und Ausbildung an den Universitäten ist gering...", so auch der Giessener Pharmakologe Professor Dr. med. Harald Schmidt, Sprecher des Expertenkreis Naturmedizin.
Naturmedizinische Ausbildung der Ärzte
Eine umfassende medizinische Aus- und Weiterbildung muss auch die naturmedizinische Kompetenz beinhalten. Damit erst werden die Voraussetzungen für eine moderne, individuelle, patientengerechte und kostenverträgliche Medizin geschaffen.
aus: Ziele des Expertenkreis Naturmedizin
Im Anschluss an eine 2-jährige klinische Tätigkeit besteht die Möglichkeit sich durch die Teilnahme an vier anerkannten Weiterbildungskursen über naturgemäße Heilweisen, sowie durch die Hospitation in einer Praxis oder Klinik eines Weiterbildungsbevollmächtigten für Naturheilverfahren die Zusatzbezeichnung "Arzt für Naturheilverfahren" zu erarbeiten. Eine Prüfung ist nicht vorgesehen. Eine Facharztausbildung, vergleichbar mit der in anderen medizinischen Fachgebieten, gibt es nicht.
Auch international fehlen klare Definitionen, eine einheitliche Ausbildung, sowie Richtlinien und Qualitätskriterien zur Anwendung der Naturheilverfahren. Die Verunsicherung im Bereich der Naturheilkunde macht Strategien notwendig, um die Chancen und Risiken der Naturheilkunde auszuloten, und sie effektiv zur Unterstützung der Schulmedizin einsetzen zu können.
WHO-Strategie für Traditionelle Medizin 2002-2005
Die WHO hat in ihrer 2001 veröffentlichten Strategie zur Traditionellen Medizin versucht, dies alles zu berücksichtigen und umzusetzen:
Traditionelle Medizin:
Bedarf und Potential steigend - die Kernaussage
der WHO-Strategie für Traditionelle Medizin 2002-2005
Die WHO Strategie für "Traditional Medicine" 2002-2005 gibt einen Rahmen vor, der den Ländern helfen soll, in der eigenen Politik die "Traditional or Complementary/Alternative Medicine" zu regeln, und damit den Einsatz für die Bevölkerung zugänglicher und sicherer zu gestalten und gleichzeitig zu erhalten.
Eine starke Grundlage soll geschaffen werden, auf der Basis von Sicherheit, Effizienz und Qualität der Traditionellen Medizin.
Nicht nur die Verwendbarkeit, auch die Bezahlbarkeit der "Traditional Medicine", einschließlich der wesentlichen Naturmedizin soll sichergestellt werden.
Der therapeutisch vernünftige Gebrauch der "Traditional Medicine" von Anbietern und Verbrauchern soll gesichert werden.
Expertenkreis Naturmedizin
Der Expertenkreis definiert Naturmedizin als den prophylaktischen und therapeutischen Einsatz von Arzneimitteln aus der Natur, von Homöopathika, Phytopharmaka und essentiellen Nährstoffen (z. B. Vitamine, Mineralien).
aus: "Mission Statement des Expertenkreis Naturmedizin"
Die Verständigung zwischen der Schul- und Naturmedizin zu verbessern, dazu kann sicherlich auch der im März 2002 gegründete Expertenkreis Naturmedizin beitragen.
Dieser interdisziplinäre Kreis von Naturwissenschaftlern und Ärzten aus Forschung, Klinik und Praxis hat sich das Ziel gesetzt, die Qualität der Naturmedizin und ihre Integration in die medizinische Wissenschaft zu fördern. Nach Überzeugung der Experten muss eine umfassende medizinische Aus- und Weiterbildung auch die naturmedizinische Kompetenz beinhalten. Damit erst werden die Voraussetzungen für eine moderne, individuelle, patientengerechte und kostenverträgliche Medizin geschaffen.
Auf nationaler Ebene will der Expertenkreis Naturmedizin dazu beitragen, die Kommunikation zwischen der so genannten Schulmedizin und der Naturmedizin zu verbessern. Der Expertenkreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch die Förderung der naturheilkundlichen Ausbildung in Deutschland, die Kompetenz der Ärzte zu erweitern und die universitäre Forschung im Bereich Naturmedizin zu intensivieren.
Literatur
- Allensbacher Trendstudie "Naturheilmittel 2002"
- Pascoe Studie 2002
- WHO Traditional Medicine Strategy 2002-2005
- Medizinstudenten und unkonventionelle Heilweisen - eine Befragung, W. Andritzky, Institut für Medizinische Psychologie der Universität Düsseldorf, Gesundh.-Wes. 57 (1995) 345-348
- Stand der Lehre im Fach Naturheilverfahren / Homöopathie in Deutschland, M. Perleth, G.C. Fischer, Medizinische Hochschule Hannover
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