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Wissenswertes über Naturmedizin

Die Naturmedizin will die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen, anstatt seine Fehlfunktionen mit chemischen Gegenmitteln zu unterdrücken.

  1. Was ist Naturmedizin?
  2. Was ist Homöopathie?
  3. Das Ähnlichkeitsprinzip
  4. Die Arzneimittelprüfung
  5. Die Potenzen
  6. Homöopathische Komplexmittel
  7. Erstverschlimmerungen
  8. Wie schnell wirken Homöopathika?
  9. Ist der Alkohol in Homöopathika gefährlich für mein Kind?
  10. Die Rolle der Ernährung

Was ist Naturmedizin?

Naturmedizin wird gerne auch als „sanfte“ Medizin bezeichnet. Die Naturmedizin will die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen, anstatt seine Fehlfunktionen mit chemischen Gegenmitteln zu unterdrücken. Die Heilmittel kommen dabei aus der natürlichen Umwelt des Menschen. Ihr Einsatz beruht, beispielsweise in der Pflanzenheilkunde, oft auf Jahrhunderte alten Erfahrungswerten.

Daneben gibt es auch Heilweisen, die erst in jüngerer Zeit entstanden sind, wie die Homöopathie (18./19. Jahrhundert). Naturheilmittel bieten gerade kleinen Patienten eine gute Möglichkeit, mit leichteren Erkrankungen fertig zu werden, ohne dass chemische Arzneimittel eingesetzt werden müssen, die manchmal ein hohes Nebenwirkungspotential haben. Sie als Eltern haben bestimmt ein gutes Gespür dafür, was Ihrem Kind gut tut. Doch denken Sie immer daran, bei den ersten Anzeichen einer Verschlimmerung der Symptome den Kinderarzt oder Heilpraktiker aufzusuchen.

Was ist Homöopathie?

Die homöopathische Medizin ist eine Heilmethode, die es seit etwas mehr als 200 Jahren gibt. Sie wird weltweit von homöopathisch ausgebildeten Ärzten und Heilpraktikern ausgeübt. Bei der homöopathischen Therapie steht der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt des Interesses, nicht nur einzelne, behandlungsbedürftige Symptome.

Das Ähnlichkeitsprinzip

„Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfall eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden erregen kann als sie heilen soll“, so formulierte der Mediziner Samuel Hahnemann (1755–1843) sein neues therapeutisches Prinzip und stellte es unter dem Namen Homöopathie (griech. = ähnliches Leiden) 1796 der Öffentlichkeit vor. Damit hatte er ein System entwickelt, das im völligen Widerspruch zum damaligen und auch heutigen (schul-) medizinischen Denken stand. Statt ein Mittel zu verordnen, das den Krankheitssymptomen entgegenwirkt und sie unterdrückt, setzte Hahnemann Substanzen ein, die die Selbstheilungskräfte mobilisieren sollen. Der Körper sollte also in die Lage versetzt werden, die Symptome selbst zu beseitigen.

Er nannte dieses Prinzip die Ähnlichkeitsregel: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (Lat.: similia similibus curentur)

Beispiel:
Ihr Kind wird von einer Biene gestochen. Die Hautstelle schwillt an, wird rot, heiß und gespannt. Die Schmerzen sind brennend, stechend. Nach der Ähnlichkeitsregel wird die Biene (lat.: Apis) in homöopathischer Zubereitung zur Behandlung von brennenden, stechenden Schmerzen, Schwellungen usw. eingesetzt – selbst wenn sie nicht durch einen Bienenstich ausgelöst wurden, sondern lediglich den durch Bienengift verursachten Beschwerden ähnlich sind, wie zum Beispiel bei bestimmten Formen von Halsentzündungen.

Die Arzneimittelprüfung

Im Jahre 1790 führte Hahnemann an sich selbst die erste homöopathische Arzneimittelprüfung durch: Er nahm, ohne dass er Fieber hatte, größere Mengen Chinarinde ein und stellte an sich Symptome fest, die für eine Malaria charakteristisch sind. Folglich galt Chinarinde in homöopathischer Form als wirksames Mittel bei Malaria. Solche Versuche führte er mit weiteren Substanzen an sich und anderen Testpersonen fort. Die Teilnehmer mussten völlig gesund und bereit sein, alle Veränderungen ihrer körperlichen oder psychischen Gesundheit während des Versuchszeitraumes genauestens zu beobachten und aufzuzeichnen. Heute existieren viele hundert homöopathische Mittel, die genau auf diese Weise geprüft und untersucht worden sind. So wird auch mit Mitteln verfahren, die neu eingeführt werden.

Die Potenzen

Neben dem Ähnlichkeitsprinzip schuf Hahnemann auch das Prinzip, dass die verabreichte Menge des Arzneistoffes möglichst klein sein sollte. Er experimentierte mit immer kleineren Dosen dieser Simile-Mittel (Lat.: similis = ähnlich), bis er zu immer größeren Verdünnungen gelangte. Er fand heraus, dass diese hochverdünnten Mittel die Selbstheilungskräfte des Körpers nur dann gut anregten, wenn sie bei jeder Verdünnungsstufe intensiv verschüttelt oder verrieben wurden. Das reine Verdünnen der Arzneistoffe ließ ihre Wirkung allmählich vollständig verschwinden. Er nannte das stufenweise Verfahren daher nicht Verdünnen, sondern „Potenzieren“. Wie der Begriff Potenz (= Kraft, Vermögen etwas zu verrichten) verrät, wird durch das Potenzieren eines Arzneistoffes dessen Heilkraft verstärkt. Die Ausgangsstoffe werden mit einer Trägersubstanz(Wasser, Alkohol, Milchzucker oder Zucker) verarbeitet.

Homöopathische Komplexmittel

Sie können sich vorstellen, dass es einen enormen Zeitaufwand und vieler Erfahrungen bedarf, um das richtige – genau passende – Mittel auszuwählen. Aus diesem Grunde und weil es tatsächlich manchmal – gerade bei akuten Erkrankungen – schwierig ist, sich auf ein Mittel zu beschränken, wurde schon zu Hahnemanns Zeiten begonnen, so genannte Komplex-Präparate einzusetzen. Sie enthalten verschiedene Einzelmittel, die in die gleiche Wirkungsrichtung gehen und sich bei einer bestimmten Organerkrankung bewährt haben. Die Zusammensetzungen solcher Komplex-Präparate sind meist das Ergebnis praktischer Beobachtungen und jahrzehntelanger Erfahrungen. Der Vorteil von Komplex-Präparaten ist, dass sie, ähnlich wie andere Arzneimittel, nach dem Beschwerdebild eingesetzt werden können. In diesen Präparaten werden Einzelstoffe eingesetzt, die synergistisch wirken, sich also in ihrer Wirkung gegenseitig ergänzen und verstärken. Komplex-Präparate haben daher den großen Vorteil, dass sie ein breites Band von Beschwerden abdecken können. Dies erleichtert die Mittelwahl enorm. Sie sind daher auch, nach Rücksprache mit dem Therapeuten, für die Selbstmedikation geeignet.

Erstverschlimmerungen

Heilreaktionen, häufig auch als „Erstverschlimmerung“ bezeichnet, gehören zum homöopathischen Heilungsvorgang. Sie werden vom Patienten gelegentlich zu Beginn der Behandlung wahrgenommen, sind meist harmlos und gelten als sicheres Zeichen für die richtige Wahl des Mittels. Die allermeisten Erstverschlimmerungen sind so fein, dass der Patient sie kaum bemerkt. Starke Heilreaktionen kommen eher bei der Behandlung chronischer Erkrankungen vor. Sie sind lästig, aber meist ungefährlich. Bei Auftreten von Erstverschlimmerungen soll das Mittel bis zum Abklingen der spürbaren Reaktionen abgesetzt oder reduziert und der Therapeut befragt werden. Sobald das Mittel nicht mehr eingenommen wird, lässt die Erstverschlimmerung schnell nach. Danach wird in der Regel mit einer reduzierten Dosis bzw. einer anderen Potenz weiterbehandelt.

Wie schnell wirken Homöopathika?

Ein richtig gewähltes Mittel übt bei akuten Erkrankungen bereits kurze Zeit nach der Verabreichung seine Reizwirkung auf den Organismus aus. Bei alten, chronischen Leiden wird der Heilungsprozess zwar auch sofort aktiviert, ein positives Resultat ist aber erst nach geraumer Zeit spürbar.

In der Regel gilt: Akute Beschwerden (neu entstandene): Besserung innerhalb von Minuten bis Stunden. Chronische Beschwerden (alte, stets wiederkehrende): Allmähliche Besserung innerhalb von Tagen bis Wochen.

Ist der Alkohol in Homöopathika gefährlich für mein Kind?

Homöopathische Arzneimittel enthalten häufig Alkohol in unterschiedlichen Mengen. Normalerweise sind die absoluten Mengen bei einer tropfenweisen Dosierung so gering, dass vergleichbare Mengen Alkohol auch in Nahrungsmitteln wie z. B. Brot, Fruchtsaft, Malzbier enthalten sind. Solch geringe Mengen können auch Kinder einnehmen. Hier sollte das Arzneimittel in Wasser (z.B. ein halbes Glas) eingenommen werden.

Grafik zur Abschätzung der Alkoholmenge

Um festzustellen, wie viel Alkohol eine Dosis der einzunehmenden Tropfen nun tatsächlich hat, gehen Sie wie folgt vor:
Suchen Sie in der linken Säule der Tabelle den Alkoholgehalt in Vol.-% und auf der rechten Säule die Menge (Tropfenanzahl), die genommen werden soll. Verbinden Sie beide Punkte mit einer Linie. Der Schnittpunkt dieser Linie mit der mittleren Säule entspricht der aufgenommenen Menge an reinem Alkohol in Gramm.

Beispiel:
Von einem Arzneimittel mit 40 Vol.-% Alkohol sollen 20 Tropfen eingenommen werden. Das entspricht einem Alkoholgehalt von 0,2 g. Dieselbe Menge Alkohol ist z. B. enthalten in 0,04 l Apfelsaft.

Folgende Alkoholmengen (in Gramm reinen Alkohols) sind in den unten aufgeführten Getränken enthalten:

Darüber hinaus ist es interessant zu wissen, dass die Geschwindigkeit, in der der Alkohol im Körper abgebaut wird, bei Kindern deutlich höher ist als bei Erwachsenen. Das hängt mit dem insgesamt schneller arbeitenden Stoffwechsel zusammen. Die Folge ist, dass die durch Arzneimitteleinnahme sowieso vergleichsweise geringe Blutalkoholkonzentration bei Kindern zusätzlich sehr schnell abgebaut wird. Zur Veranschaulichung dient die Tabelle auf der folgenden Seite.

Vergleich des Alkoholgehaltes von Arzneimitteln und Lebensmitteln und daraus resultierende Blutalkoholkonzentrationen bei 3-jährigen Kindern (Quelle: 4)

Alkoholgehalt Vol.-%

Menge

Alkohol pro Dosis (g)

Blutalkohol in Promille pro 15 kg Körpergewicht

Abbauzeit (min)

Arzneimittel a

50

3x5 Tr.

0,07

0,008

2,1

Arzneimittel b

30

3x5 Tr.

0,04

0,005

1,2

Apfelsaft

0,5

200 ml

1,00

0,109

29,7

Fruchtsaft

0,5

100 ml

0,5

0,055

15,0

Brot

2-4

50 g

0,15

0,016

4,4

Sauerkraut

3-6

100 g

0,3 - 0,6

0,024

6,5

Tipp:
Der Geschmack von Alkohol verschwindet, wenn die Tropfen in ein halbes Glas warmes Wasser gegeben und getrunken werden.
Andere Möglichkeit: Tropfen auf ein Stück Zwieback/Brot/Keks aufbringen, Alkohol an der Luft verdunsten lassen, nach einiger Zeit dem Kind zu essen geben.

Die Rolle der Ernährung

Während Aussagen wie „Lass deine Nahrung deine Medizin und deine Medizin deine Nahrung sein“ schon seit Jahrtausenden den Menschen begleiten, ist es erst in neuerer Zeit gelungen, zu beweisen, dass falsche Ernährung Krankheiten auslösen kann und richtige Ernährung zur Heilung beitragen kann. Leider nutzen viele Lebensmittelhersteller die Sorge der Eltern um das Wohlergehen ihrer Kinder aus, indem sie Kindernahrungsmittel auf den Markt bringen, die Kindern zwar sehr gut schmecken, aber keinerlei gesundheitliche Vorteile bringen – im Gegenteil: Oft haben diese „Kinderlebensmittel“ besonders viel Zucker. Kinder sollten täglich nur etwa 50 g Zucker zu sich nehmen. Die Tabelle zeigt, wie viel Zucker beliebte Nahrungsmittel haben.

So viele Stück Würfelzucker können in einer Portion enthalten sein: 1 Stück Würfelzucker = 3 g

Nahrungsmittel

Würfelzucker

Kinderfruchtjoghurts (250 g)

8

Glas Cola, Fanta (0,33 l)

11

Eistee (0,33 l)

7

Light-Limos, Light-Eistee

4

Frühstückscerealien (100 g)

10

Müsliriegel

4

Ketchup (1EL)

1

Bei vielen Erkrankungen wird eine laktovegetabile Kost empfohlen. Laktovegetabil bedeutet, dass neben pflanzlichen Nahrungsmitteln auch Eier, Milch und Milchprodukte verzehrt werden können, aber auf Fleisch und Wurst verzichtet werden sollte.

In der folgenden Kinderapotheke finden Sie bei vielen Erkrankungen unter dem Stichwort „Allgemeine Maßnahmen“ den Hinweis auf eine basenreiche Kost.

Wir wissen heute, dass unsere Nahrung den Säure-Basen-Haushalt unseres Körpers beeinflussen kann und die übliche Ernährung eher säurelastig ist. Eine ausgewogene Balance zwischen Säuren und Basen ist jedoch für die Gesundheit notwendig. Deshalb sollten Sie darauf achten, dass ausreichend viele basenbildende Nahrungsmittel aufgenommen werden. In der folgenden Tabelle finden Sie einige wichtige basen- und säurebildenden Nahrungsmittel gegenübergestellt.

Säurebildende Nahrungsmittel

Basenbildende Nahrungsmittel

Fleisch

Obst (besonders: Bananen, Kiwi)

Wurst

Gemüse (besonders: Spinat, Karotten)

Schmelzkäse

Fruchtsäfte (ungesüßt)

Erdnüsse

Rosinen

Wenn Sie sich ausführlicher mit diesem Thema beschäftigen wollen, können Sie den Patientenratgeber „Für einen ausgeglichenen Säure-Basenhaushalt“ kostenlos bei PASCOE VITAL GmbH anfordern.